10. Internationalisierung forcieren

Linz wird heute in Europa und darüber hinaus mehr denn je als dynamischer und zukunftsorientierter Kultur- und Wirtschaftsstandort wahrgenommen. Mit dem Internationalen Brucknerfest, der Linzer Klangwolke, dem Ars Electronica Festival mit dem Prix Ars Electronica, den Internationalen Tanztagen im Posthof und dem Linzer Internationalen Straßenkunstfestival Pflasterspektakel scheint Linz schon seit Jahrzehnten auf der internationalen Kulturlandkarte auf. Hinzu kamen im vergangenen Jahrzehnt neue internationale Spartenfestivals wie das Crossing Europe Filmfestival, das Festival 4020. mehr als Musik, das Schäxpir Theaterfestival für junges Publikum, das Nextcomic Festival und das Ahoi! Popfestival.

Eine enorme Steigerung der Internationalisierung erfuhr Linz durch das Europäische Kulturhauptstadtjahr Linz 2009, das unter anderem einen Professionalisierungsschub in Richtung einer internationalen Vermarktung des Kulturstandorts Linz bewirkte. Linz09 hat aber auch durch die Entwicklung von neuen, ungewöhnlichen Formaten bewiesen, dass eine Stadt wie Linz sich durch Innovations- und Risikobereitschaft internationale Aufmerksamkeit erwerben kann. In der Zusammenarbeit von regionalen, nationalen und internationalen KünstlerInnen durch Koproduktionen entstanden Netzwerke und Kompetenzen, die für die Zukunft gesichert und weiterentwickelt werden müssen [siehe Kapitel „Vernetzung und Kooperation stärken“]. Damit verbunden war eine Qualitätssteigerung in den verschiedensten Bereichen, sei es im Kulturangebot, in der künstlerischen Produktion, in der Gastronomie, Hotellerie und in anderen Dienstleistungen.

Mit der Eröffnung des Musiktheaters am Volksgarten im April 2013, der Entwicklung der ehemaligen Tabakfabrik zu einem Kreativstandort von internationalem Format [siehe Kapitel „Räume nutzen und schaffen“] sowie den Planungen zu einem Brucknerfest neu wird Linz auch in Zukunft sein internationales Profil weiter ausbauen können. Aber auch mit Ausstellungen im Lentos Kunstmuseum Linz und im Ars Electronica Center sowie in den Einrichtungen OK Offenes Kulturhaus OÖ und Landesgalerie Linz gelingt es immer wieder, im internationalen Kontext wahrgenommen zu werden.

Weiters leistet Linz für Kunst- und Kulturschaffende mit den Sonderförderprogrammen LinzIMpORT und LinzEXPOrt wichtige Unterstützung für internationalen Austausch [siehe Kapitel „Freie Kunst- und Kulturszene fördern“]. Ein bedeutender Beitrag zum KünstlerInnenaustausch auf europäischer, aber auch außereuropäischer Ebene wird durch die Artists-in-Residence-Programme des 2009 eingerichteten Atelierhauses Salzamt sowie durch zahlreiche Aktivitäten und Angebote der freien Kunst- und Kulturszene geleistet. Es sollte besonderes Augenmerk darauf gelegt werden, diesen Sektor für die internationale Positionierung von Linz stärker zu nutzen – einerseits durch den Ausbau von internationalen Austauschprogrammen und andererseits durch die weitere Forcierung von international wahrnehmbaren Programmschienen und Kooperationsprojekten. Die angestrebte Intensivierung des kulturellen Austausches im Rahmen der bestehenden und künftigen Städtepartnerschaften von Linz ist ebenfalls im Kontext der internationalen Beziehungen zu sehen. Dabei wird das Ziel verfolgt, die Beziehungen zu den Herkunftsländern der nach Linz Zugewanderten auszubauen. 

Als Schnittstelle von Kunst, Technologie und Gesellschaft – wie seit Anbeginn die Philosophie der Ars Electronica lautet – konnte sich der Standort Linz ein Alleinstellungsmerkmal unter den sogenannten Second Cities* erwerben, was auch für die zukünftige kulturelle Entwicklung der Stadt ein großes Potenzial birgt. Angestrebt ist in diesem Zusammenhang, dass sich Linz um die Aufnahme im Creative Cities Network der UNESCO* als City of Media Arts bewirbt, um die jahrelang aufgebaute Positionierung von Linz als Stadt der Medienkunst* weltweit zu verstärken. Die internationale Kulturstadt Linz sollte sich demnach als Ort des interdisziplinären* Kunstschaffens sowie der interkulturellen* Begegnungen definieren. Kultureller Austausch trägt zudem zum gegenseitigen Verständnis von kulturellen Unterschieden und zum Abbau von
Vorurteilen und Klischees bei.

Darüber hinaus unterstützen die Linzer Kultureinrichtungen die Bestrebungen der Stadt, den Großraum Linz zur ersten Open-Commons*-Region Europas zu machen, um ähnlich wie mit der richtungsweisenden Entscheidung zur Ars Electronica hohe internationale Anerkennung für diese Pionierleistung rund um den Zugang zu immateriellem Gemeingut zu erlangen.

Der Austausch und die Präsenz auf internationaler Ebene zielen insbesondere in zwei Richtungen. Zum einen sind für Kunst- und Kulturschaffende Grenzüberschreitungen und neue Impulse der intellektuelle und kreative Nährboden ihres Tuns. Nur so kann auch garantiert werden, dass Linz für junge Menschen aus dem Ausland ein Anziehungspunkt bleibt und die Abwanderung des kreativen Potenzials verhindert sowie die Entwicklung eines kreativen Milieus gefördert 60 wird. Zum anderen punkten auch der Kulturtourismus und der internationale Wirtschaftsstandort Linz mit den sogenannten weichen Standortfaktoren eines vielfältigen Kulturangebots. Die touristische Entwicklung von Linz ist eng mit der Attraktivität und internationalen Positionierung als Kulturstadt verbunden.

Als Wissenschafts- und Forschungsstandort kommt den universitären Ausbildungsstätten in Linz im Sinne der internationalen Wahrnehmung der Stadt eine herausragende Bedeutung zu. Hier muss es Ziel bleiben, den Universitätsstandort Linz mit der Johannes Kepler Universität, der Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung, der Anton Bruckner Privatuniversität und der Katholisch-Theologischen Privatuniversität weiter auszubauen, Kooperationen zu intensivieren und zukunftsweisende Studienfächer und Forschungszweige in Linz zu etablieren [siehe Kapitel „Vergangenheit reflektieren und Zukunft denken“].
 

Maßnahmen:

  • Das Brucknerhaus Linz entwickelt sukzessive eine internationale Neupositionierung des
    Brucknerfestes mit einer stärkeren programmatischen Ausrichtung an Anton Bruckner, mit einer Verdichtung des Programmangebots und durch Kooperationen mit Linzer und internationalen Kulturinstitutionen.
  • Linz Kultur verstärkt die Förderung von internationalen Austauschprogrammen und Artistin-Residence-Projekten.
  • Linz Kultur erweitert das Atelierhaus Salzamt zur Servicestelle für Auslandsaktivitäten von Linzer Kunstschaffenden und übernimmt die Konzeption eines Programms, um internationale KuratorInnen mit der Linzer Kunstszene vertraut zu machen.
  • Die Stadt Linz strebt eine Steigerung der Beteiligung von städtischen Einrichtungen und Linz Kultur an EU-Förderprogrammen im Kulturbereich an. Linz Kultur verstärkt das Beratungsservice für EU-Förderungen und intensiviert damit den kulturellen Austausch innerhalb der Europäischen Union und mit den Partnerstädten der Stadt Linz.
  • Die Stadt Linz verfolgt die Bewerbung von Linz als UNESCO City of Media Arts und strebt damit die Mitgliedschaft im Creative Cities Network der UNESCO* an.
  • Kultureinrichtungen und Festivals entwickeln Formate und schaffen Rahmenprogramme, die einen Austausch und Dialog zwischen lokalen und internationalen Kunst- und Kulturschaffenden ermöglichen.
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