3.7 Kunst-und Kulturvermittlung

Die Wichtigkeit der Kunst-und Kulturvermittlung kommt zu Beginn des Kapitels in mehreren Formulierungen wie “Bestandteil der täglichen Praxis” oder “steigende Bedeutung” zum Ausdruck. Als Zielformulierungen finden sich im Anschluss daran, dass die Stadt Linz bei öffentlichen Veranstaltungen entsprechende Vermittlungsmodelle anbieten wird und Zielgruppen-und Vermittlungskonzepte der einzelnen Institutionen entwickelt bzw. weiter ausgebaut werden sollen. Eine nähere Konkretisierung in Maßnahmen erfolgt jedoch nicht.

In weiterer Folge wird auf die Bedeutung der Kunst-und Kulturvermittlung im Zusammenhang mit Museen und Bildungseinrichtungen (Schule, Kindergärten und Horte) eingegangen. Allgemein wird formuliert, dass konkrete Maßnahmen entwickelt werden sollen, um den Kontakt zu Schulen, Kindergärten, Horten und generell die Kunst-und Kulturvermittlung “vor Ort” zu intensivieren. Gerade beim letzten Punkt wurde im Kulturhauptstadtjahr mit den Projekten “I like to move it move it” und “Kulturlotsinnen”, die auch als Linz09-Projekte weitergeführt wurden, aufgezeigt, dass noch viel Potenzial brachliegt. Die Entwicklung von speziellen Vermittlungsangeboten für Kinder, Jugendliche und Erwachsene im Bereich der Medienarbeit und Medienkunst konzentriert sich nach wie vor in erster Linie auf das AEC, auch wenn im KEP die Absichtserklärung zu finden ist, dass dies gerade auch außerhalb dieser Einrichtung passieren sollte.

Während die konkret formulierte Maßnahme eines Ausbaus der Medienwerkstatt Linz umgesetzt wurde, ist dies bei der im gleichen Satz formulierten Zielerklärung einer verstärkten Förderung von unabhängigen Medienzentren durch Bund, Land Oberösterreich und Stadt Linz nur bedingt der Fall. So stiegen die laufenden Förderungen durch die Stadt Linz bei Radio FRO, dem einzigen freien Radio der Stadt, von ca. 51.000 Euro im Jahr 2001 auf 60.000 Euro im Jahr 2010, jene der Internet-und Medienkulturinitiative servus.at im gleichen Zeitraum von ca. 14.500 Euro auf 16.000 Euro. Für den laufenden Programmaufwand und die Einrichtung eines Studios erhielt die im November 2009 gegründete Initiative “dorf tv”, ein freier, usergenerierter Fernsehsender, im Jahr 2010 Förderungen in Höhe von 97.500 Euro, den Großteil davon für notwendige technische Investitionen.

Ohne Konkretisierung finden sich vier weitere Formulierungen im KEP, die eher den Charakter von Zielen aufweisen:

  • die Setzung von infrastrukturellen Maßnahmen zur Verbesserung der Angebote durch Stadt und Land.
  • die Förderung der Einbindung von Schulen und Erwachsenenbildungseinrichtungen in das Kulturleben der Stadt.
  • die Förderung von freien Kunst-und Kulturvermittlungsgruppen.
  • die Unterstützung von Kunstzeitungs-und Netzprojekten.

Die ersten beiden Formulierungen sind dabei zu abstrakt, um eine sinnvolle Beurteilung vornehmen zu können. Die Förderung von freien Kunst-und Kulturvermittlungsgruppen sowie von Kunstzeitungs-und Netzprojekten fand und findet bislang nur, wenn überhaupt, in sehr geringem Ausmaß statt.

Eine bereits in Kapitel 3.3 angeführte, ähnlich formulierte Maßnahme, die Errichtung einer Informations-, Service-und Ansprechstelle für Kunst-und Kulturschaffende und “Multiplikatoren”, gemeinsam mit dem Land Oberösterreich, wurde aus den bereits genannten Gründen nicht umgesetzt.

Die an die Bildungseinrichtungen und anden Bund gerichteteAnregung,kulturelle Bildung und Kunst-und Kulturvermittlung, dabei insbesondere mit Bezugnahme auf Gegenwartskunst und Neue Medien, als Bestandteile von Aus- und Weiterbildungsprogrammen sowie Lehr-und Studienplänen zu verankern, bleibt ohne weitere Konkretisierung für sich stehen. Gefolgt wird diese Anregung von einer Begrüßung aller Initiativen zur Gründung einer Bundesakademie, Fachhochschule oder einer ähnlichen Bundeseinrichtung für kulturelle und künstlerische Bildung in Linz. An der Kunstuniversität Linz existieren ein Lehramtsstudium Werkerziehung, in dessen Rahmen Studierende vor allem dazu ausgebildet werden, als Werkerzieher_innen an allgemein bildenden höheren und berufsbildenden höheren Schulen (AHS und BHS) zu unterrichten, und ein Lehramtsstudium Bildnerische Erziehung, durch das die Absolvent_innen befähigt werden, den Lehrberuf an mittleren und höheren sowie an berufsbildenden Schulen auszuüben, aber auch in außerschulischen Berufsfeldern wie z. B. in der Kulturvermittlung. Ebenfalls pädagogisch-didaktische Inhalte im Zusammenhang mit Kulturvermittlung bietet das Lehramtsstudium Mediengestaltung (vgl. dazu Kapitel 3.4). Im Rahmen des FWF-Programms zur Entwicklung und Erschließung der Künste (PEEK) wurde im März 2011 das auf zwei Jahre anberaumte Projekt “Staging Knowledge” eingerichtet, das u. a. die Entwicklung von neuen Bildungsund Ausbildungsformaten im Zusammenhang mit der Inszenierung von Wissensräumen und performativer Kulturvermittlung zum Inhalt hat. An der Katholisch-Theologischen Privatuniversität findet sich im Fachbereich Kunstwissenschaft für das Masterstudium “Kunstwissenschaft-Philosophie” ein Spezialmodul zur Kunstvermittlung. Im Herbst 2008 begann an der Pädagogischen Hochschule Oberösterreich ein fünf Semester dauernder Lehrgang “Kulturpädagogik – Kulturelle Bildung und Praxis”, in dem Modelle und Methoden der Kunst-und Kulturvermittlung gelehrt werden. An der Volkshochschule wird mittlerweile ein Kurs unter dem Titel “Aspekte der Kunst” angeboten, der mit Kunst-und Kulturvermittlung in Verbindung steht.

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