Kulturentwicklung durch Partizipation

Mit dem im Jahr 2000 beschlossenen ersten Kulturentwicklungsplan der Stadt Linz wurden Leitlinien, Prioritäten und Rahmenbedingungen für die Kulturpolitik von Linz für die nächsten 10 Jahre festgelegt. Höhepunkt dieser strategischen Kulturentwicklung war das Kulturhauptstadtjahr 2009.

Die inhaltlichen und strukturellen Herausforderungen, die sich im Kontext des Europäischen Kulturhauptstadtjahres Linz 2009 ergeben haben, erforderten eine Verfeinerung, Adaptierung und Erweiterung der festgeschriebenen Schwerpunkte der Kulturentwicklung. Die Erfahrungen aus dem Kulturhauptstadtjahr sowie aus den letzten 10 Jahren sollten auf nachhaltige Weise sichtbar, nutzbar und verwertbar gemacht werden. Es stellte sich die Frage, inwieweit die Ziele, Strukturen und Handlungsmaximen von gestern für morgen noch tauglich sind. Die Prozesshaftigkeit der Planung musste in diesem Sinne als Weiterentwicklung zwischen Kontinuität und Innovation verstanden werden, wobei das gesamte Spektrum des Kunst- und Kulturfeldes – von den Verbänden der Volkskultur bis hin zu experimentellen, zeitgenössischen Kunstinitiativen – mit einzubeziehen war.

Die Wichtigkeit von kultureller Planung liegt insbesondere darin, langfristig wirkende Potenziale für ein zukünftiges Kulturangebot in der Stadt zu entdecken, zu beschreiben und Entwicklungs undUmsetzungsmöglichkeiten aufzuzeigen. Kulturentwicklungsplanung in der Gegenwart kann sich allerdings nicht nur auf Binnenprobleme des Kulturbereiches beschränken.

Kunst und Kultur müssen vielmehr auch als Mittel und Teil von Stadtentwicklung gesehen werden. Vor diesem Hintergrund ist Kulturentwicklungsplanung Stadtentwicklungsplanung im weiteren Sinne – ein wichtiges Element, um urbane Prozesse voranzutreiben. Kunst und Kultur erlauben, gezielt Einfluss auf die weiteren Geschicke des Gemeinwesens zu nehmen. Dies umso mehr, da die Kultur eines jener Aktionsfelder ist, auf denen Politik angesichts zunehmender globaler Deregulierung bzw. sogenannter Sachzwänge noch halbwegs selbstbestimmt – das heißt aus den Ansprüchen und Gegebenheiten der Stadt heraus – zu wirken vermag.

Auf all diese Rahmenbedingungen reagiert der neue Kulturentwicklungsplan mit einem anspruchsvollen kulturpolitischen Programm, das allgemeine Zielsetzungen, Leitlinien und entsprechende Maßnahmenpakete umfasst. Schon die Gestaltung des Prozesses selbst war programmatisch angelegt. Nach einer fundierten wissenschaftlichen Grundlagenarbeit auf Basis von ExpertInnen-Interviews wurden in einer einjährigen Diskussionsphase unter der Federführung von Linz Kultur die Themen und Maßnahmen des neuen Kulturentwicklungsplans erarbeitet. Über 600 Menschen aus den unterschiedlichsten gesellschaftlichen Bereichen haben sich am Projekt „KEP neu“ beteiligt. Der Stadtkulturbeirat, ein ExpertInnen-Gremium sowie der Kulturausschuss des Gemeinderates nahmen aktiv an dem Prozess teil. Der neue Kulturentwicklungsplan steht daher auch für das Bekenntnis der Stadt zu einem zielgruppengerechten kulturpolitischen Verfahren, wobei Partizipation generell für das kulturelle Geschehen in Linz eine ganz wichtige Grundmaxime darstellt.

Wir hoffen, dass wie beim ersten Kulturentwicklungsplan viele der neuen Maßnahmen umgesetzt werden können und sich unsere Ziele an den Visionen orientieren, die wir formuliert haben. In den nächsten 10 bis 15 Jahren wird sich der neue Kulturentwicklungsplan als Begleiter und Leitfaden der Kulturpolitik der Stadt Linz bewähren. Linz ist damit kulturpolitisch gerüstet für ein weiteres erfolgreiches Jahrzehnt.

Abschließend danken wir all jenen, die so engagiert und kompetent am Diskussionsprozess sowie an der Neufassung des Linzer Kulturentwicklungsplans mitgewirkt haben. Wir laden alle Akteure und Akteurinnen in der Kulturstadt Linz ein, sich ebenso tatkräftig an der Umsetzung des Projektes „KEP neu“ zu beteiligen und seine Vorgaben und Ziele zu fördern und zu unterstützen.

Franz Dobusch, Bürgermeister der Stadt Linz

Dr. Erich Watzl, Vizebürgermeister und Kulturreferent

Dr. Julius Stieber, Kulturdirektor der Stadt Linz

Jänner, 2013

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