Runder Tisch zum 1. FORUM KEP: TeilnehmerInnen & Ergebnisprotokoll

RUNDER TISCH: Förderung von internationalen Kontakten und Auslandserfahrungen von Kunstschaffenden in Linz

Donnerstag, 28. Februar 2013, 15:30 bis 17:30 Uhr im Büro Linz Kultur (Besprechungsraum)

Die teilnehmenden ExpertInnen waren:

  • Herr Tim Boykett, Mitglied im KünstlerInnenkollektiv Time’s Up, Mathematiker JKU        
  • Frau Christine Dollhofer, Festivalleiterin CrossingEuropeFilmfestival                 
  • Frau Silke Grabinger, Cie SILK, Tänzerin, Choreografin, Mitglied des Stadtkulturbeirat Linz             
  • Frau Katharina Lackner, Bildende Künstlerin (Salzamt-Atelier, bmukk-Shanghai, LinzEXPOrt)    
  • Frau Manuela Naveau, Leiterin Ars Electronica Export, Internationale Kontakte          
  • Frau Isa Stein, Architektin, Künstlerin, Mitglied des Stadtkulturbeirates Linz   

VertreterInnen von Linz Kultur:

  • Frau Gerda Forstner, Leiterin der Abt. Städtische Kulturentwicklung 
  • Herr Peter Leisch, Leiter der Abt. Kunst-, Kultur- und Projektförderung
  • Frau Kathrin Paulischin, Festivalleiterin LinzFest & Pflasterspektakel                 
  • Herr Julius Stieber, Kulturdirektor der Stadt Linz     

     

Themenkomplex 1: Förderungen

Themenkomplex 2: Erfahrungswerte/Praxis/Vernetzung von Kunstschaffenden

Themenkomplex 3: Öffentlichkeit/Ausstellungs-, Festival- bzw. Projektbeteiligungen

Themenkomplex 4: Rolle internationaler Festivals/Institutionen in Linz

 

1. Begrüßung und Erwartungen an den ExpertInnenkreis

Julius Stieber begrüßt die Runde und bedankt sich, dass alle so kurzfristig Zeit haben.

Der KEP neu wurde an die TeilnehmerInnen ausgeteilt. Eine Maßnahme des KEP neu ist das Forum KEP, welches heute zum ersten Mal stattfindet. Im Vorfeld des Forum KEP neu findet diesen Runden Tisch mit ExpertInnen statt. Weiterhin gibt es die Möglichkeit zu den Forum KEP-Themen auf www.kep-linz.at zu posten.

Gerda Forstner teilt mit, dass es darum geht, wie man die Maßnahmen des Kapitels „Internationalisierung forcieren“ des KEP neu am besten umsetzt. Ziele dieses Runden Tisches ist es, Erfahrungen, Bedürfnisse und Erwartungen zum Thema „Förderung von internationalen Kontakten“ und zu „Auslandserfahrungen von Linzer Kunstschaffenden“ zu sammeln und sich von Seiten von Kunstschaffenden, Festivalverantwortlichen als auch VertreterInnen von Kultureinrichtungen darüber auszutauschen. Die Ergebnisse aus dem Runden Tisch soll im anschließenden, öffentlichen Forum KEP weiterbearbeitet und ergänzt werden.

2. Vorstellungsrunde mit Erfahrungsaustausch

Peter Leisch ist für die kulturellen Projektförderungen zuständig. Es sind eine ganze Reihe von Bereichen miteingebunden. Einerseits die Sonderförderungen und andererseits ist das Salzamt ein Role Model zum Thema. Es ist eine zentrale Schnittstelle für bildende Kunst und Ermöglichung von Austauschbeziehungen. Sein Verständnis vom Festival 4020 ist internationale, außereuropäische Musikkulturen vorzustellen und zu vermitteln und auch den Dialog und Austausch mit heimischen MusikerInnen herzustellen. Langfristig ist das Ziel, dass es Synergien mit anderen Festivals in Österreich und internationalen PartnerInnen nach sich zieht.

Kathrin Paulischin ist für Linzfest und Pflasterspektakel verantwortlich. Vor allem beim Pflasterspektakel gab es in den letzten Jahren immer wieder Versuche Formate zu finden, um Vernetzung mit heimischen und internationalen KünstlerInnen zu forcieren. Seit 2012 gibt es die Programmschiene Local Art. Hier sollen Linzer KünstlerInnen, die Kunst im öffentlichen Raum machen, mit den StraßenkünstlerInnen zusammengeführt werden. Auch die LinzerInnen sollen eingebunden werden, damit eine Gesprächsbasis basiert. Das Pflasterspektakel soll zu einem Branchentreff gemacht werden, als eine Art Forum Straßenkunst, wo internationale Fachleute hergeholt und Schritt für Schritt Diskussionsveranstaltungen gemacht werden sollen, um Austauschplattformen zu schaffen.

Manuela Naveau ist bei der Ars Electroncia für die externen Ausstellungen zuständig. Vor ein paar Jahren wurde die Abteilung Export kreiert. Seit 2004 wird versucht das internationale Netzwerk der Ars Electronica nicht nur in Linz, sondern weltweit zu präsentieren. Das Netzwerk und die Projekte, die im Futurelab entstehen, sind die Ressource, die in die Welt hinausgetragen werden können. Der Anspruch, mit österreichischen KünstlerInnen zu kooperieren, ist immer gegeben, aber es müssen nicht zwangsläufig LinzerInnen sein. Es ist wichtig, dass ein österreichischer Beitrag dabei ist. Bei allen Aktivitäten ist es wichtig, Linz zu präsentieren. Das Ars Electronica soll mehr als Linzer Institution positioniert werden.

Silke Grabinger ist Künstlerin und hat eine Company, mit der sie viel international arbeitet. Momentan wird an einer Coproduktionen gearbeitet. Das ist eine deutsche Kooperation, wo in der Produktion sieben verschiedene Nationalitäten eingebunden sind. Bei einem anderen Projekt wird versucht, verschiedene international anerkannte Choreographen in das Projekt miteinzubauen und mit ihnen in Kooperation zu treten.

Tim Boykett ist Vertreter des KünstlerInnenkollektivs Time’s up, die gerade intensiv an einem EU Projekt arbeiten. Letztes Jahr wurden die Aktivitäten auf Nordamerika erweitert und können dieses Jahr hoffentlich noch nach Afrika ausgedehnt werden. Alle zwei Wochen am Donnerstag gibt es bei Time’s Up einen „Open House“-Nachmittag, ein dem das Kollektiv für Austausch- und Vernetzungsgespräche anwesend sind. Zum Beispiel können sich die Salzamt-KünstlerInnen vorbeischauen und sich informieren, was Time’s up macht.  

Isa Stein ist Künstlerin und Architektin und hat vier Jahre in NY Kunst studiert. Dort hat sie sich relativ mühsam ihre Kontakte aufgebaut. Mit der Zeit ist ein tolles Netzwerk entstanden, das aber leider wieder verpufft. Somit müssen die LinzerInnen bzw. ÖsterreicherInnen immer wieder die gleichen Wege gehen. Es ist schade, dass man dieses nicht nachhaltiger nutzen kann. Es ist ihr ein Anliegen, die Netzwerke füreinander zu öffnen und die Kontakte zugänglich zu machen.

Katharina Lackner ist freischaffende Künstlerin und seit 2007 im OK als kuratorische Assistentin tätig. Sie kümmert sich um GastkünstlerInnen, Drittmittelförderungen und Recherche. Sie ist Userin vom Salzamt und von LinzEXPOrt. In den letzten drei Jahren war sie sehr viel auf Residences und Auslandesaufenthalten. Die letzte Station war Shanghai (bmukk-Atelier).

Christine Dollhofer leitet das Crossing Europe Filmfestival, das seit 2004 jährlich Ende April in Linz stattfindet. Das OK ist ein wichtiger Partner als Host und speziell für den Crossoverbereich, der immer stärker in das Programm einfließt. Von Anbeginn war ihr als Festivalleiterin wichtig, junges, europäisches, eigenwilliges und künstlerisches Kino mit den zugehörigen Kreativen, die dahinter stehen, nach Linz zu bringen und parallel dazu die Local Artists-Schiene zu verknüpfen. Es wird seither viel mehr und professioneller produziert. Durch die Anwesenheit von KuratorInnen wird sehr viel mitgenommen. Die Vernetzung ist sehr gut, aber auf der anderen Seite ist es wichtig, dass die Anwesenheit von europäischen KünstlerInnen, neben den Filmgesprächen für die Directors Talks, wo es vertiefende Gespräche zu Gästen gibt, auch von heimischen Filmschaffenden genützt wird. Speziell aus Linz und OÖ treten KünstlerInnen an sie heran, dass es in Wien wahnsinnig schwer ist, Fuß zu fassen und Förderungen zu erhalten. Es wäre wichtig, die Ansprechpersonen des Bundes stärker einzubinden. Für die KünstlerInnen wäre es wünschenswert, die handelnden Personen beim Bund kennen zu lernen. Vorschlag: Wenn VertreterInnen des bmukk in Linz sind, werden sie vorgestellt, damit sie „fassbar“ sind. KünstlerInnen können sich an sie wenden und mit ihnen in Kontakt treten. Studierende werden gruppenweise vorgestellt. Das kann man auch auf andere Sparten umlegen. Beiräte des Bundes sollten zu Festivals generell eingeladen werden. Es ist entscheidend, welche Kontakte KünstlerInnen zu den Beiräten haben. Dafür muss es VermittlungspartnerInnen geben.

 3. Konkrete Maßnahmenvorschläge:

Was kann eine Dienstellte der Stadt wie Linz Kultur im Sinne der Förderung der Internationalisierung und der Vernetzung leisten? Wo kann Linz Kultur behilflich sein? Gibt es Schnittstellen, die Linz Kultur herstellen kann?

  • Es ist auch wichtig, den KünstlerInnen ein Feedback zu geben, warum sie einen Preis, Stipendium oder Sonderförderprogrammfinanzierung erhalten haben oder nicht. Es soll auch die Möglichkeit geben, den Diskurs mit den Jurymitgliedern zu suchen, um Feedback und Beratung zu erhalten, wo Förderungen beantragt werden können.
  • Linz Kultur kann im Bereich der Förderungen verstärkt über Ateliermöglichkeiten und EU-Förderprogramme informieren. Wo sollen sich Leute hinwenden, wenn sie eine EU-Förderung beantragen – das könnte beispielsweise auf der LinzKultur-Homepage transparent gemacht werden.
  • Es könnte bei Linz Kultur ein/e MitarbeiterIn geben, die Kunst- und Kulturschaffende betreffend internationaler Angelegenheiten ansprechen können. Eine Person, an die man sich wendet, die weiß, welche internationalen Kontakte das Lentos, das Stifterhaus, das AEC etc. haben, die das Wissen aller Einrichtungen zusammenführt. Diese Person macht Informationsservice, weiß über Förderprogramme etc. Bescheid und soll wissen, wohin man sich wenden kann, und auch Kontakte zu den österreichischen Botschaften im Ausland herstellen.
  • Linz Kultur soll die Schnittstelle sein, die Informationen bündelt und das Informationsservice macht. Linz Kultur könnte Linzer Kunstschaffende eine Art offizielles „Empfehlungsschreiben“ ausstellen, um damit bei Auslandsprojekten zu unterstützen.
  • Eine günstige Übernachtungsmöglichkeit für GastkünstlerInnen und für junge Leute fehlt in Linz – ev. „Jugendhotel“ in die Tabakfabrik.
  • Die Broschüre „Ausschreibungen Sonderförderprogramme“ soll es auch auf Englisch geben – es reicht eine englische Veröffentlichung auf der Homepage als pdf.
  • Die KünstlerInnen könnten nach ihrer Rückkehr eines Auslandsaufenthaltes ein kleines Interview geben, was er/sie im Ausland gemacht hat, und am Ende mit den ProjektträgernInnen ein Feedbackgespräch machen. Dies würde insbesondere die Sonderförderprogramme LinzEXPOrt/LinzIMpORT betreffen.
  • Zu den Projektpräsentationen oder Ausstellungsformaten über Auslandsprojekte Linzer Kunst- und Kulturschaffender (wie im Salzamt) sollen auch die internationalen KooperationspartnerInnen eingeladen werden.

 4. Abschlussrunde:

Katharina Lackner: Der Linzbezug, um eine Förderung zu erhalten, ist in der Realität oft nicht umsetzbar. Ein Beispiel: Ihr Kollege ist Brite und versucht seit einem Jahr seinen Hauptwohnsitz in Linz anzumelden, was als freischaffender Künstler relativ schwierig ist. Er hat jetzt einen Nebenwohnsitz in Linz und erfüllt aber somit die Förderkriterien nicht. Auch im Zuge einer Projektpartnerschaft (wie im Zuge von LinzEXPOrt) wird sein Projektanteil nicht gefördert.

Christine Dollhofer: Das Zusammenspiel zwischen den Unis, den VeranstalterInnen und internationalen PartnerInnen ist sehr wichtig, z.B. mit dem Festival TV bei Crossing Europe, wo mit Studierenden aus verschiedenen Ländern, die dann gemeinsam mit Linzer Studierenden bei dorf.tv Festival TV als Workshop machen. Solche Projekte oder überhaupt ein genereller Austausch mit Lehrbeauftragten sind sinnvoll. FördergeberInnen, InstitutionsleiterInnen, Lehrbeauftragte sollen zusammengebracht werden. Weiters: Imagepflege betreiben und eine positive Message nach außen tragen, die Arbeiten bestmöglich präsentieren, besser dotierte Preise in mehreren Sektionen und diese stärker mit internationalen Entwicklungen und PartnerInnen verknüpfen.

Isa Stein: Wenn man es schafft, mit Non-Profit-Organisationen ein Netzwerk aufzubauen, dann kann man auch Linz Flyer und die Stipendien dort platzieren. Viele KünstlerInnen orientieren sich daran, ins Ausland zu kommen. Es sind gute Organisationen, die auch offene Slideshows haben, wo man seine Projekte einreichen kann. Durch die Interviews kann man diese NGO’s herausfinden.

Manuela Naveau: Vielleicht gibt es ein spezielles Programm, das gemeinsam mit der Kunstuniversität, der Stadt Linz und dem AEC und mit anderen Institutionen, die Interesse haben, entwickelt werden kann.

Julius Stieber bedankt sich und beschließt die Runde.

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