Runder Tisch zum 4. FORUM KEP: TeilnehmerInnen & Ergebnisprotokoll

RUNDER TISCH: Kunst im öffentlichen Raum

Freitag, 13. Juni 2014, 14 bis 17 Uhr im Alten Rathaus Linz

Die teilgenommenen ExpertInnen waren:

  • Herr Clemens Bauder, Kollektivmitglied bei kiosque und qujOchÖ
  • Frau Susanne Blaimschein, Leiterin Kunstraum Goethestraße
  • Frau Tanja Brandmayr, Publizistin und Spotzs-Herausgeberin
  • Frau Tanja Brüggemann, Komponistin
  • Frau Martina Gelsinger, Kuratorin und Referentin für Altarraumgestaltung und zeitgenössische Kunst der Diözese Linz
  • Frau Silke Grabinger, Tänzerin und Vorsitz Stadtkulturbeirat Linz
  • Frau Margit Greinöcker, Künstlerin und Architektin, Mitglied des Stadtkulturbeirates
  • Frau Andrea Grgić, Leiterin von ibuk und Mitglied des Stadtkulturbeirates
  • Herr Marek Gut, Designer und Mitglied des Stadtkulturbeirates
  • Herr Gerald Harringer, Mitbegründer  und Projektmanager der Fabrikanten
  • Herr Magnus Hofmüller, Projektentwickler Museen der Stadt Linz
  • Frau Beate Rathmayr, Künstlerin und Projektentwicklerin Kunstraum Goethestraße
  • Frau Olivia Schütz, Obfrau Stadtwerkstatt Linz
  • Herr Gerfried Stocker, künstlerischer Leiter Ars Electronica GmbH
  • Herr Christoph Weidinger, Architekt und Obmann afo architekturforum oberösterreich
  • Herr Markus Zett, freier Theaterschaffender (theaternyx*)

Vertreter von Linz Kulturen waren:

  • Herr Holger Jagersberger, Leiter des Atelierhaus Salzamt
  • Herr Peter Leisch, Leiter der Abt. Kunst- und Kulturförderung
  • Herr Julius Stieber, Kulturdirektor der Stadt Linz

Vertreter Büro Stadtregierung waren:

  • Herr Vizebürgermeister Bernhard Baier, Kulturreferent der Stadt Linz
  • Herr Wolfgang Langeder, Büro Vbgm. Baier

Themenkomplex 1: Erfahrungswerte zu Projekten Kunst im öffentlichen Raum

Wer darf den öffentlichen Raum wie nutzen? Welche Erfahrungswerte gibt es? Wie verfügbar ist der öffentliche Raum?

Zunächst ging es hier um die Fragestellung der Genehmigungen. Die Genehmigungsverfahren haben sich in den letzten Jahren aufgrund veränderter gesetzlicher Rahmenbedingungen deutlich verschärft. Das Linz09-Jahr war die letzte Ausnahme, wo noch Dinge, die normalerweise nicht mehr gehen, möglich waren. Dieses Problem wurde sowohl von Seiten der Institutionen wie auch von der Freien Szene festgestellt.

Auch bei den Naturalsubventionen hat sich die Situation bei der Stadt Linz leider verschlechtert, was ebenfalls die Institutionen wie auch die Freie Szene betrifft. Die Gegenstrategie wäre, dass es einen Spirit auf politischer Ebene braucht, dass Kunst im öffentlichen Raum gewollt/gewünscht und wichtig ist. Im Linz09-Jahr war vieles möglich, da die Behörden entsprechend kooperativ waren und Wege aufgezeigt haben.

Außerdem muss man sich auf Unvorhergesehenes einlassen. Darin liegt der eigentliche Mehrwert, weil Kunst im öffentlichen Raum per se nicht immer vorhersehbar und steuerbar ist.


Themenkomplex 2: Visionen – Wünsche – Sehnsüchte

Der öffentliche Raum wird als Stadtraum verstanden. Es tauchte die Fragestellung auf „Was ist Stadt?“. Diese Frage muss mit unterschiedlichen Disziplinen/Projekten interdisziplinär bearbeitet werden. Unterschiedliche Zugänge sind möglich: Ist dafür ein Festival geeignet oder nicht? Braucht es überhaupt einen Rahmen für Kunst im öffentlichen Raum?

Eine besondere Rolle bei Kunst im öffentlichen Raum hat das Thema Nachhaltigkeit und gleichzeitig auch die Veränderung. Ebenso sollen Vermittlung und Partizipation eine besondere Rolle spielen. Darüber hinaus wurde auch noch diskutiert, ob sich daraus für Linz eine Marke „Kunst im öffentlichen Raum“ entwickeln soll, unter der ein Projekt dann abgewickelt werden könnte.

Es tauchte auch noch die Fragestellung auf, wer den öffentlichen Raum wie nutzen darf. Wer darf den öffentlichen Raum problemlos nutzen und bei wem gibt es Sperren oder Zugangshürden?

 
Weiters wurden prinzipielle Fragen formuliert wie:

Was ist Stadt? Was hat das mit mir zu tun? Wie kann ich Teil davon sein?

Die Implementierung von ortspezifischer/communityspezifischer Kunst braucht viel Zeit, z.B. für Beziehungsarbeit vor Ort und im Sinne der Nachhaltigkeit auch einen Nachlauf. Die Zeitfrage hat immer auch Auswirkungen auf Förderbedingungen und verlangt bei Kunst im öffentlichen Raum langfristige Förderformate etc.

Ein Festival Kunst im öffentlichen Raum kann nicht die einzige Möglichkeit sein, aber es ist etwas Konkretes, wo man Bewusstsein schaffen kann.


Themenkomplex 3: Die Rolle der Freien Szene und Kulturinstitutionen

Wie ist die Sicht der Institutionen auf die Freie Szene, wenn es um den öffentlichen Raum geht?
Das Problem, das die Institutionen und die Freie Szene haben, die gemeinsame Projekte machen wollen, ist, dass die Finanzmittel, die dafür aufgestellt werden sollten, unter Doppelförderung fallen, wenn eine freie Gruppe Geld aus der Subventionskasse erhält und die Institution Hilfestellungen oder auch finanzielle Mittel bereitstellt. Die Frage ist, ob es wirklich eine Doppelförderung ist oder ob man das nicht im Kontext Kunst im öffentlichen Raum ermöglichen sollte. Außerdem besteht die Problematik, dass oft ohne Bezahlung seitens der Freien Szene bei diversen Formaten der Institutionen gearbeitet wird, wo dann der Mehrwert für die KünstlerInnen darin besteht, dass man dort eine Plattform hat.

Wichtig ist im kreativen Prozess auch Spontaneität. Die Planungsprozesse sind durch die Förderungsabwicklung und -einreichung mittlerweile auch in der Freien Szene sehr hoch. Spontanität passiert während eines Prozesses, aber der spontane Weg ist kaum mehr möglich und gerade im öffentlichen Raum schon gar nicht.

 
Eine zentrale Frage ist: Wieso Kunst im öffentlichen Raum von Kulturinstitutionen?

Die Rahmenbedingungen einer Institution sind heutzutage von Quotendruck geprägt. Das heißt, man braucht BesucherInnen im Haus, um medial, gegenüber der Politik und gegenüber der Bevölkerung seine Existenz zu rechtfertigen. Auch der rein ökonomische Aspekt spielt eine Rolle: das Haus existiert und muss somit bespielt werden.

Wenn Freie Szene Projekte im öffentlichen Raum stattfinden, sind sie insofern für das Haus interessant, wenn sie einen Werbeeffekt haben und man dadurch neue Zielgruppen ansprechen kann, z.B.: migrantische Gruppen, die man mit authentischen Projekten über die Freie Szene eher erreichen kann. Man kann dadurch die Programme näher an das potenzielle Zielpublikum heranbringen.

 
Was interessiert die Freie Szene an Kooperationen mit Institutionen?

Bessere Finanzierungsformen, die Sichtbarkeit – über die Institution wird man auch medial sichtbarer, auch der Dienstleistungsaspekt spielt eine Rolle (Dienstleistung für eine Institution erbringen, sei es bei einer Eröffnung performanceartig etc.). Neue Plätze erobern, Leerstände bespielen ist mit einer Institution einfacher, weil das Genehmigungsverfahren für eine Institution leichter geht, die administrative Unterstützung ist eine bessere wie auch die Voraussetzung, Sponsorengelder zu bekommen.
Qualitätsaspekt: Was sagt man den KünstlerInnen/Gruppen, wenn das Projekt den Ansprüchen/Vorstellungen der Institution nicht entspricht? Ist man ehrlich oder nicht?

Es wird produktiv, wenn man sich auf eine gemeinsame Entwicklungsreise begibt, wo beide voneinander profitieren und auch Qualitätsfragen offen diskutiert werden.

 
Themenkomplex 4: Sichtbar machen und Öffentlichkeit

Was gibt es für grundsätzliche Voraussetzungen dazu? Gibt es Referenzbeispiele, aus denen man ableiten kann, dass etwas gelingt und im Bewusstsein präsent wird? Bei den Linz09-Projekten Bellevue und Festival d. Regionen, stärker fokussiert auf Bellevue, fiel die Wahl auf einen ganz spezifischen, auf den ersten Blick unspektakulären Ort, der aber in der ganzen Inszenierung Interesse geweckt und einen Diskurs ausgelöst hat. Durch das architektonische Signal und diese Positionierung wurde neues Publikum gewonnen und mobilisiert. Voraussetzung ist natürlich, dass es thematisch greifbar wird. Eine Hülle muss mit Inhalt ausgestattet werden. Ein weiterer Punkt ist, dass es nicht unbedingt spektakulär positioniert werden muss, sondern dass es auch fein und leise geht. Eine weitere Voraussetzung, wie man Öffentlichkeit gewinnen kann, ist ein sensibler Umgang mit dem Ort. Ein Ort, der einfach Diskurs auslöst. Ein anderer Aspekt ist der der Praktikabilität – es geht um Grenzen ausloten, um das Ausloten von Reglementierungen und Rahmenbedingungen, in denen man sich bewegen muss. Je nach diesen Reglementierungen und Rahmenbedingungen funktioniert es, dass die Voraussetzungen gute und förderliche sind.

 
Frage des Diskurses – mediale Rezeption:

Ein zentrales Thema ist die Finanzierung und die Projektdimension selbst. Ein Projekt wie Bellevue war großzügig ausgestattet und hatte große Kapazitäten und löste natürlich einen entsprechenden, breit gefächerten Diskurs aus. Ein anderer Punkt, der als wichtig empfunden wird, ist, dass die freien Medien eine wichtige Rolle einnehmen, um in der Ökonomie der Aufmerksamkeit präsent sein können. Die Rolle der Kerngruppe der Community nach dem Projekt ist ebenfalls wichtig.

Ein ganz zentraler Punkt ist auch die institutionalisierte Pflege der Kritikfähigkeit. Es sollte ein Forum für Reflexion geben. Außerdem wurde thematisiert, ob ein eigenes Medium unter dem Begriff „spotsZ“ oder ein Nachfolgeprojekt einen besonders positiven Aspekt auslösen könnte, dass auch der Bedarf danach bestünde: als Kommentator, als ein Diskussionsforum und auch als ein Medium, das das Ganze kritisch reflektiert. Es ist auch wichtig, auf den Bildungs- und Vermittlungsauftrag der öffentlichen Medien verstärkt das Augenmerk zu richten und diesen aktiv einzufordern. Das geschieht immer weniger. Wenn man bestimmte Medien ansieht, dann endet die Aufmerksamkeit bei bestimmten Sparten oder Formaten. Sehr viele Formen zeitgenössischer Kunst haben keinen Platz oder werden nicht wahrgenommen. Die Berichterstattung muss eingekauft werden, um die entsprechende Aufmerksamkeit zu bekommen.

Zielgruppen sind projektabhängig zu formulieren. Zentral sind die StadtbewohnerInnen und NutzerInnen. Unter dem Aspekt, dass ein Bewusstsein von „Unser Raum“ entsteht. Das setzt voraus, dass ein Ziel dabei sein sollte, der Aspekt der Mündigkeit und Mobilisierung, dass man sich mit eigenen Räumen, die man mitnutzt, wieder aktiv und gestaltend auseinandersetzt und seine Ideen dann einbringt. Z.B.: Donaustrand – eine ganze Reihe von Menschen, die außerhalb dieses Diskurses stehen, haben sich an dieser Diskussion beteiligt.

Bedarf es besonderer Vermittlungsmaßnahmen für Kunst im öffentlichen Raum?

Neben MigrantInnen und Menschen mit besonderen Bedürfnissen sind Kinder, Jugendliche und Alte nicht zu vergessen. Neugierige und DebütantInnen sind ebenfalls eine Zielgruppe. Bei MigrantInnen wäre dabei wichtig, dass es auch einer institutionellen Begleitung nicht künstlerischer Einrichtungen bedarf. Weiter mitzudenken ist die Sprachübersetzung.

 
Event?

Muss nicht sein, kann sein!

Es muss nicht immer bequem sein, es kann/soll auch konfrontativ sein. Sehr wichtig ist immer das Augenmerk auf eine kritische Reflexion.

 
Geschieht Vermittlung von selbst oder bedarf es projektbezogener Maßnahmen?

Das hängt vom Projekt ab, aber manche erklären sich von selbst und funktionieren auch so, z.B.: die Skulpturen von Robert Schad auf der Promenade. Vermittlung sollte man nicht als Zwangsbeglückung, sondern als Angebot und integralen Bestandteil von einem Projekt verstehen.

 
Was von Produzenten und Künstlern erwartet wird?

Ein Feedback. Wenig befriedigend ist es, etwas hinzustellen, und kein Echo zu bekommen.

Die Präsenz der Kunst soll stärker sein als das Sponsorenlogo. Privatsponsoren sind oft präsenter als Hauptsponsoren oder Veranstalter, was ein Problem ist.

 

KR Bernhard Baier nimmt den Eindruck mit, dass die Idee Kunst im öffentlichen Raum weiterentwickelt werden soll. Als nächster Schritt sollte ein Konzept erstellt werden, das noch einmal einer Diskussion (ev. Symposium) zugeführt werden kann. Und letztlich geht es darum, das Paket politisch zu verhandeln. Wenn die Idee in ein Projekt mündet, dann gibt es die große Chance, dadurch dass es politisch akkordiert ist, dass man mehr Möglichkeiten bekommt. Ziel ist, in eine Umsetzungsphase zu kommen.

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